
Die ausgeprägte Chromatik der Palette von Herkules bei Omphale weist Berührungspunkte zur gleichzeitigen Sezessionskunst, zu Max Beckmann, Max Slevogt und Lovis Corinth auf. Durch seine ungewöhnliche Perspektive auf das mythologische Thema reiht sich das Werk in den Bestand der Sezessionskunst ein, wo besonders mit Slevogts Triptychon Der verlorene Sohn eine ähnlich unerwartete Deutung eines klassischen abendländischen Themas geboten wird.
Im Gegensatz zur Bildtradition, in der üblicherweise die List der Frauen oder die Travestie mit erotischem Gehalt vorherrscht, zeigt Greiner seinen Herkules als hiobähnlichen Dulder. Seine Bußleistung nötigt ihn, sich dem Spott der Frauen widerspruchslos auszusetzen. Das Thema der Gefährdung des Mannes durch die erotische Attraktivität der Frau, das Greiner in Odysseus und die Sirenen (1902, ehemals Museum der Bildenden Künste, Leipzig) in der Nachfolge Klingers in fast brachialer Zuspitzung formuliert hatte, kehrt hier ironisch gebrochen wieder.
Otto Greiner (1869-1916), Herkules bei Omphale, 1905 Öl auf Leinwand, Staatsgalerie Stuttgart
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