Der Bestand der italienischen Zeichnungen der Graphischen Sammlung entstammt zum größeren Teil dem Königlichen Kupferstichkabinett. Dessen Vorstand, August Kräutle, konnte diese über lange Jahre gewachsene Sammlung mit spektakulären Ankäufen im Stuttgarter Auktionshaus Gutekunst bereichern: 1872 mit etwa 200 Zeichnungen, überwiegend aus Genua (etwa von Luca Cambiaso, Paolo Gerolamo Piola u. a.) sowie dem Komplex von 25 Werken des Venezianers Giuseppe Diamantini aus der Sammlung Jacopo Durazzo; 1882 mit 168 Zeichnungen von Giovanni Battista Tiepolo und seinem Sohn Giovanni Domenico aus der Sammlung Bossi-Beyerlen.
Aus dem Vermächtnis von Richard Jung kamen 1986 zusätzlich 226 italienische Zeichnungen ins Haus, darunter Werke von Luca Signorelli und Annibale Carracci. Seit 1976 befindet sich zudem die Sammlung Schloss Fachsenfeld mit Zeichnungen überwiegend italienischer, besonders bolognesischer Künstler, wie Francesco del Cossa und einer Reihe außergewöhnlicher Gewandstudien von Giovanni Francesco Barbieri, gen. Guercino, sowie Werke aus Frankreich, den Niederlanden und Deutschland in der Graphischen Sammlung. Das Ressort in seinen Spezialgebieten ergänzende Erwerbungen wurden auch in den vergangenen Jahrzehnten getätigt, beispielsweise mit Zeichnungen von Guercino, Alessandro Magnasco, und zuletzt Raffael.
Die Sammlung der italienischen Druckgraphik vor 1800 stammt zum überwiegenden Teil aus dem Königlichen Kupferstichkabinett, darunter Werke von Andrea Mantegna, Marcantonio Raimondi, Canaletto sowie Giovanni Battista Piranesi, zahlreiche Originalgraphiken der sog. »peintre-graveurs« sowie ein umfangreicher Schwerpunkt in der Reproduktions- oder Interpretationsgraphik des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Stiftung Max Kade, die 1964 ins Haus kam, bereicherte den Bestand zusätzlich um außergewöhnliche Blätter.
Desgleichen wurde die Sammlung in den letzten Jahrzehnten durch Erwerbungen erweitert, so dass eine Schatzkammer des Dialogs über Kunst entstanden ist: Bis zur Erfindung der Photographie Mitte des 19. und moderner Drucktechniken des 20. Jahrhunderts waren es vor allem Holzschnitte, Kupferstiche, Radierungen und Lithographien, anhand derer Kunst verbreitet und dadurch auch vermittelt wurde. Auch fernab vom Original ermöglichten sie es dem Betrachter, sich an Kunst zu delektieren und darüber zu diskutieren, wie am Beispiel der Ausstellung »Raffael und die Folgen« (26.5.-22.7.2001) gezeigt wurde.
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